Unser Kommunalwahlprogramm
Wohnen. Leben. Mitbestimmen: Sozial in Landshut.
Bauen, Mieten und Wohnen
Bezahlbare Miete statt fette Rendite
Wir betrachten Wohnen als Grundrecht und richten unsere Politik nach dieser Überzeugung aus. Eine weitere Privatisierung kommunaler Wohnungsbestände lehnen wir ab. Wir treten für eine echte Mietpreisbremse in Landshut ein. Die Versorgung für alle mit guten und bezahlbaren Wohnungen soll zur öffentlichen Daseinsvorsorge gemacht werden.
Wir fordern die Einführung einer wirksamen Zweckentfremdungssatzung, um zu verhindern, dass weiterer Wohnraum in Gewerbeflächen oder Ferienwohnungen umgewandelt wird. Auf Landesebene setzen wir uns für ein Wohnraumaufsichtsgesetz ein, das Vermieter:innen in die Pflicht nimmt und Mieter:innen schützt.
Keine Spekulation mit Wohnraum – Leerstand wirksam bekämpfen
Das bestehende Leerstandsregister für städtische Liegenschaften soll auf private Immobilien ausgeweitet werden, damit die Verwaltung einen umfassenden Überblick erhält und sich mit Eigentümer:innen in Verbindung setzen kann, um langfristigen Leerstand zu verhindern.
Um den privaten und genossenschaftlichen Wohnungsbau zu fördern, wollen wir eine Übernahme des “Münchner Modells”: damit werden Zuschüsse für Renovierungen und Neubauten ermöglicht, um zugleich den Wohnungsmarkt und den kommunalen Haushalt zu entlasten. Für neu erstellten Wohnraum muss eine Sozialquote von mindestens 50% gelten.
Leerstehende Gebäude wollen wir gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Initiativen kreativ nutzen – etwa für Gemeinschaftsräume, Co-Working oder soziale Projekte. In jedem Neubau oder Sozialbau soll ein Raum für gemeinsame Nutzung eingeplant oder zu günstigen Konditionen an Bürgerinnen und Bürger vermietet werden.
Sozialpolitik
Soziale Gerechtigkeit beginnt vor Ort
Progressive Kommunalpolitik heißt: einzutreten für soziale Interessen in der Stadt, für nachhaltige Entwicklung und demokratische Teilhabe für alle. Unser Ziel ist eine solidarische, sozial gerechte und nachhaltige Gestaltung des Gemeinwesens.
Gesundheitsversorgung: Pflegenotstand überall bekämpfen
Wir streiten flächendeckend für den Erhalt von Krankenhäusern sowie eine bessere Finanz- und Personalausstattung. Privatisierungen von Krankenhäusern müssen verhindert werden. Wir setzen uns ein für kommunale Pflegestationen, die quartiersbezogen und wohnortnah mobile Pflege für alte und kranke Menschen sowie Menschen mit Behinderung organisieren und gewährleisten.
Ohne Frauen* ist kein Staat zu machen
In kommunalen Gremien und Vorständen sind Frauen* unterrepräsentiert. Das wollen wir aufbrechen! Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen verdienen mehr Anerkennung. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wollen wir erreichen, durch das Angebot kostenfreier Kitas in kommunaler Hand und mit flexiblen Betreuungszeiten. Um die Gleichberechtigung auf kommunaler Ebene voranzutreiben, soll diese mit einer gut ausfinanzierten Vollzeitstelle der Gleichstellungsbeauftragten begleitet werden.
Solidarität statt Hass
Wir treten jedem Versuch entschieden entgegen, Geflüchtete und wirtschaftlich benachteiligte Menschen gegeneinander auszuspielen. Stattdessen unterstützen wir Initiativen für die Wiederherstellung eines humanen Asylrechts. Landshut soll ein sicherer Hafen für Geflüchtete werden!
Jugend bedeutet Zukunft
Das Erleben von Selbstwirksamkeit und echter demokratischer Mitbestimmung ist unverzichtbar für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Deshalb wollen wir junge Menschen an allen relevanten Entscheidungen in ihrem Lebensumfeld beteiligen!
Verkehr und Stadtentwicklung
Stadtentwicklung – sozial und ökologisch
Wir wollen eine großflächige Verkehrsberuhigung der Innenstadt für eine höhere Aufenthalts- und Lebensqualität. Diese Maßnahme muss von der Einrichtung von Quartiersgaragen, dem Ausbau von Park&Ride-Angeboten und einem hochgetakteten, zuverlässigen Nahverkehr begleitet werden.
Landshut braucht mehr selbstverwaltete Freiräume für Kunst und Kultur. Wir wollen öffentliche Räume und Plätze schaffen, in denen sich Menschen ohne Konsumzwang begegnen und austauschen können.
Stadtentwicklung darf nicht privaten Investor:innen überlassen werden, sondern muss demokratisch durch und für die Bewohner:innen gestaltet werden. Wir stehen für eine ausgewogene Nachverdichtung im Innenbereich: bestehende Baulücken sollen genutzt werden, statt immer neue Flächen am Stadtrand zu versiegeln.
Verkehrswende – nachhaltig und zuverlässig
Wir stehen für eine ökologisch nachhaltige Verkehrswende, die eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) und nachhaltige Mobilitätsangebote in den Fokus nimmt. Neben dem Ausbau von Fahrrad- und Fußwegen wollen wir einen umlagefinanzierten fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehr einrichten.
Das Liniennetz der Stadtbusse entspricht nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit: daher wollen wir die Einrichtung einer Ringbuslinie (Stationen: Hauptbahnhof – Bismarckplatz – Altstadt – Neustadt – Maximilianstraße – Ländtorplatz – Stadtpark – Hauptbahnhof). Diese soll bedarfsgerecht mit kleineren Pendelbussen und Rufverkehr an die umliegenden Stadtteile angeschlossen werden.
Für seniorengerechte und barrierefreie Kommunen
Wir alle wollen auch im Alter und mit Beeinträchtigungen gut in unseren Kommunen leben können und am öffentlichen Leben teilhaben. Die Grundversorgung muss wohnortnah und bestenfalls fußläufig erreichbar sein. Wo dies nicht möglich ist, muss eine gute Anbindung an den ÖPNV gewährleistet sein.
Wir wollen die älter werdende Gesellschaft aktiv in den Alltag einbinden. Öffentliche Räume sollen vielfältig gemeinsam genutzt und zu Orten der Begegnung umgestaltet werden – um Einsamkeit vorzubeugen. Einfache und wirksame Ideen wie eine ‚Ratschbank‘, auf der Menschen ins Gespräch kommen können, möchten wir konsequent fördern.
Natur, Klima und Umwelt
Lokale Initiativen unterstützen: für den Schutz von Tieren, Umwelt und Klima
Wir unterstützen die Forderung nach der Umsetzung von Klima-neutralität in Landshut. Wir müssen den weiteren Anstieg der Temperaturen in der Erdatmosphäre mit allen Kräften verringern, um die daraus resultierenden Umweltschäden wie Überflutungen, Dürre, Bodenerosion und verschwindende Arten einzugrenzen.
Deshalb fordern wir: eine Energieversorgung mit erneuerbaren Energien, die Reduzierung des Individualverkehrs zugunsten eines guten öffentlichen Verkehrsnetzes, die Aufwertung und den Schutz von Grünflächen und klimaangepassten Bäumen sowie die Entsiegelung von Flächen im Stadtgebiet. Wir setzen uns zudem für ein nachhaltiges Vergabe- und Beschaffungswesen ein, das an sozialen und ökologischen Kriterien ausgerichtet ist.
Bei der Lebensmittelversorgung in kommunalen Einrichtungen müssen ökologische Standards und das Tierwohl vorrangig berücksichtigt werden. Wir wollen eine kostendeckende Finanzierung von Tierheimen.
Bildung, Kultur und Vereine
Kommunale Bildungsoffensive für gebührenfreie Kitas und bessere Schulausstattung
Bildung ist ein Menschenrecht und Voraussetzung dafür, sich selbstbestimmt entwickeln und erfolgreich an der Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse teilhaben zu können. Schulbildung muss Chancengleichheit gewährleisten, Selektion verhindern und demokratische Gestaltung ermöglichen. Wir fordern gebührenfreie Kitas und ein kostenloses, gesundes Schulessen für alle – nach Verfügbarkeit aus regionalem Anbau.
Ehrenamt stärken
Das Ehrenamt ist gelebte Solidarität und damit wichtiger Bestandteil für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eine funktionierende Gesellschaft braucht ein starkes Ehrenamt. Sie muss dafür aber auch gewährleisten, dass durch angemessene Ausfinanzierung und öffentliche Unterstützung ein Klima entsteht, in dem Engagement Freude macht und nicht zur unbezahlten Ausbeutung verkommt. Ehrenamtliche verdienen Anerkennung, eine gute Ausstattung und die nötige Flexibilität für ihren Dienst an der Allgemeinheit!
Kultur und gesellschaftliche Teilhabe für alle Menschen
Wir treten für die Förderung des kulturellen Lebens in allen Milieus und Vierteln ein: bei Hochkultur wie freier Szene, als Basis für die Verständigung zwischen den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft. Wir wollen soziokulturelle Zentren ausbauen, bürokratische Hürden abbauen und insbesondere alternative Kultureinrichtungen sowie Jugendkultur finanziell besser unterstützen.
Echte Inklusion leben
Wir wollen den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen, den uneingeschränkten Zugang zu allen öffentlichen Gebäuden, aber auch eine Barrierefreiheit
des öffentlichen Internetauftritts. Wir wollen den gleichen Zugang zu Arbeit und Ausbildung.
Wir wollen, dass alle Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Es geht um das
Menschenrecht auf Inklusion, um die Einbeziehung aller Menschen in ein gemeinsames gesellschaftliches Leben.
Wirtschaft, Finanzen und Tourismus
Reichtum umverteilen für lebenswerte Kommunen
Kommunen sollen dauerhaft selbst über ihre Finanzen entscheiden können. Hier muss eine Kehrtwende hin zu mehr Selbstverwaltung und Selbstbestimmung in finanziellen Fragen
stattfinden. Bei den Kommunalfinanzen muss endlich das Verursacherprinzip gelten: Wenn Entscheidungen von Land und Bund zu Mehrausgaben bei den Kommunen führen, müssen
diese auch von den übergeordneten Institutionen finanziert werden. Nur so verhindern wir eine dauerhafte Überforderung der kommunalen Haushalte und stellen die Handlungsfähigkeit vor Ort sicher.
Alle Kommunen müssen finanziell so ausgestattet sein, dass sie ihre Infrastruktur selbst erhalten und weiterentwickeln können. Unterbietungswettbewerbe bei der Gewerbesteuer lehnen wir ab. Stattdessen wollen wir diese durch eine einheitliche Gemeindewirtschaftssteuer ersetzen.
Respekt und Recht auf gute Arbeit
Die Kommunen müssen zum Vorreiter im Kampf gegen Niedriglöhne, Tarifflucht und Befristungen werden. Bei öffentlichen Aufträgen darf die Vergabe ausschließlich an
Unternehmen erfolgen, die ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung gerecht werden. Diese Vergaberichtlinien müssen mit klaren Kontrollen und Sanktionen bei Nichteinhaltung
einhergehen.
Landwirtschaft regional und ökologisch
Die agrarpolitische Strategie der Weltmarktorientierung muss zugunsten einer regional ausgerichteten Landwirtschaft aufgegeben werden. Erzeugung und Vermarktung sollen eine regionale Wertschöpfung schaffen, um Arbeit und Einkommen vor Ort zu sichern.
Wir fordern den Ausbau und die verstärkte Förderung des Ökolandbaus sowie die Orientierung der konventionellen Landwirtschaft an umweltfreundlicheren Produktionsformen. Kleinbäuerliche Strukturen mit regionaler Vermarktung müssen vorrangig unterstützt werden.
Verwaltung und Bürgerbeteiligung
Bürgerbeteiligung ernst nehmen
Bürger:innen wollen nicht nur alle sechs Jahre ein Kreuz bei der Wahl machen, sondern grundsätzlich mitbestimmen, wie sich ihre Kommune entwickelt. Nur durch Transparenz und dauerhafte Teilhabe an Entscheidungsprozessen schaffen wir es, die Bevölkerung mitzunehmen.
Sicherheit ist eine Gemeinschaftsaufgabe
Sicherheit ist für uns keine Frage von Abschottung oder Überwachung – sie ist Ausdruck einer solidarischen Gesellschaft. Wir wollen, dass sich alle Menschen frei, geschützt und willkommen fühlen können – bei Tag und bei Nacht, im Alltag oder auf der Dult. Dazu gehört für uns: Schutz vor Gewalt, erreichbare Hilfe in Notlagen und öffentliche Orte, die Sicherheit nicht nur versprechen, sondern ermöglichen.
Frauen*, die von Gewalt betroffen sind, brauchen Unterstützungsangebote, ohne ihr gesamtes soziales Umfeld aufgeben zu müssen. Deshalb fordern wir flächendeckende, wohnortnahe Frauenhäuser und barrierefreie Mutter-Kind-Wohnangebote. Diese Einrichtungen müssen langfristig abgesichert und öffentlich getragen sein. Ebenso setzen wir uns für den Ausbau und die Förderung von Angeboten für queere Jugendliche und Erwachsene ein, damit auch sie Schutz, Unterstützung und einen sicheren Raum vorfinden.
Sicherheit beginnt früh: Kinder, die lernen, respektvoll miteinander umzugehen, Konflikte gewaltfrei zu lösen und Vielfalt zu akzeptieren, werden zu selbstbewussten Erwachsenen, die aufeinander achten. Deshalb müssen Schulen, Jugendzentren und Vereine Orte sein, an denen genau das gefördert wird: Gewaltprävention, gendersensible Bildung und niedrigschwellige Beratung sehen wir als festen Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge.
Eine sichere Kommune schützt alle Menschen gleichermaßen und lebt davon, dass wir alle aktiv Verantwortung übernehmen, zusammenhalten und solidarisch füreinander einstehen – weil Sicherheit nur gelingt, wenn wir sie gemeinsam schaffen.
Kommunale Initiativen für Frieden und Konversion
Wir tragen die Forderung der Friedensbewegung in alle Städte und Gemeinden: Rüstungsproduktion schließen, Rüstungsexporte verbieten! – "Bundeswehr raus aus den Schulen!" ist und bleibt unser Motto.
Digitalisierung – heute für morgen
Um den Herausforderungen der kommenden Jahre zu begegnen, müssen wir viel mehr in intelligente Verkehrsleitsysteme, digitale barrierefreie Dienste und nachhaltige Energiesysteme investieren. Der Breitbandausbau soll nicht ausschließlich nach Wirtschaftlichkeit, sondern vor allem nach Bedarf von den Kommunen selbst geplant und organisiert werden.
Wir wollen eGovernance weiter ausbauen und setzen entgegen der Tech-Giganten auf Lösungen der OpenSource-Community. Digitalisierung braucht Demokratisierung!
